Radreisen in Brandenburg mit Niveau

Radreisen Brandenburg - Radreisen mit Niveau

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Teil 3: Radfahren um des Radfahrens Willen

Übersetzung einer Sendung des schwedischen Rundfunks aus dem Jahre 2013

Eine Frau:

Wenn ich auf dem Rad sitze, bin ich im Augenblick. Dann liebe ich das Leben. Da ich denke ich nur, wie gut ich es habe, dass ich einfach auf dem Rad sitze und im Moment sein darf.

Ein Mann:

Man bekommt direkt Kontakt, wenn man einen anderen Radler trifft. Da findet man einander mit dem Blick und Gefühl direkt. Das ist sehr cool.

Eine Frau:

Ich weiß nicht, ob ich die Motivation habe, das durchzustehen. Das ist noch so verdammt lang.

Reporterin: Die Sendung handelt heute um Radfahren um seiner selbst Willen. Wenn man lang und länger fährt. Und was es bedarf, um vorwärtszukommen.

Ein Mann:

Ja, ich kann mitten in der Nacht um 3 starten. Das wird meine vierzigste Runde nun.

Reporterin: Ivan Linder, der bald seinen 70igsten Geburtstag feiert, hat die Vätternrunde seit 1974 und ist einer der Veteranen des Radrennens.

Ivan Linder:

Ich wollte nie Sportler sein. Ich bagann erst mit 30, Rad zu fahren. Vorher rauchte ich 25 Zigaretten am Tag. Dann wog ich 17 kg mehr in einem ahlben Jahr und da sagte ich, nun muss ich etwas machen. Und da fing ich an, zu radeln. Und das ging gut. Fuhr ein Rennen und das ging so gut. Und so kaufte ich ein richtiges Reiserad. Sorgt für mehr Sicherheit beim Radeln als es heute ist. Das sind sie, die ich meine.

Reporterin: Gerade wenn der Frühling kommt kann man in Radsachen gekleidete Gruppen auf leichten Rädern vorbeizischen sehen. Und in den Läden werden Fahrradhosen und -computer verkauft wenn sich Schwedens größtes Rennereignis, die Vätternrunde Mitte Juni jeden Jahres, närt. In diesem Jahr waren in Rekordzeit fast 23000 Anmeldungen - ein Zeichen dafür, dass immer mehr Leute das Rad zum bewegen wählen. Ivans Tochter Petra Linder erinnert sich an ihr erstes Rennen vor 7 Jahren.

Petra Linder:

Also das erste Mal hat es sehr lange gedauert, 21 Stunden. Ich hatte vielleicht 20 Meilen [1 schwedische Meile = 10 km] trainiert. Und Papa radelte mit. Und ich war so müde und gezwungen, mehrere Male zu schglafen. Aber man kam rum. Und letztes Mal fuhr ich 10h50min.

Reporterin: An meinem Geburtstag bekam ich ein Reiserad. Und ich überlegte, ob ich nicht mich der Herrausforderung stellen sollte, am 30 Meilen langen Vätternrennen teilzunehmen. Eigentlich kam mir die Idee etwas spät, da es nur noch wenige Wochen bis zum Rennen waren. Man sollte wenigstens 100 Meilen Training in den Beinen haben, wie mir Experten sagten. Kurz vor dem Start meines erstes Vätternrennen in Motala, bekam ich einige Tipps von Petra.

Petra Linder:

Du kannst zu Radschuhen wechseln. Die sitzen fest. So kannst du etwas mehr drücken. Deine flattrige Jacke vielleicht, und deine flattrigen Hosen ...

Reporterin:

Die sind ein bisschen ...

Petra Linder:

... weit. Das weht mächtig, wenn du fährst und ist vielleicht lästig.

Reporterin:

Also ist es besser mit engeren Sachen.

Petra Linder:

Der Helm, der ist eine richtige Krücke.

Reporterin:

Ich sollte einen anderen nehmen. Einen richtigen Fahrradhelm.

Petra Linder:

Der passt dir. Aber für Sicherheit sollte man alle 15 Jahre wechseln. Zumindest alle 20 Jahre.

Petra Linder:

Also will man rumkommen, so muss man Rumkommen trainieren. Vor einigen Jahren hatte Papa sich den Fuß gebrochen. Da wurde ihm der Gips den Tag vor dem Vätternrennen entfernt. So fuhr er herrum.

Papa:

Ja, ich hatte mir den Fuß verstaucht. Da bekam ich einen Gips bis zum Knie. Der Start war am Freitag und ich bekam den Gips ab am Dienstag. So musste ich mein Glück versuchen. Das fühlte sich etwas seltsam an. Ich hatte den Gips mehrere Wochen lang. Aber ich kam trotzdem rum.

Reporterin:

Also da gibt es nichts, was dich an Vätternrunde hindern kann?

Papa:

Nee, und wenn ich zerbreche.

Reporterin:

Nun stehe ich genau am Start und es ist nur eine Viertelstunde noch, bis wir losfahren werden. Ich habe Reifen und Schlauch gewechselt. Alle sehen so fit aus in ihren Lycrasachen.

Reporterin: Viele von denen, die die Vätternrunde machen, nehmen auch an anderen Rennen teil. Ein Teil fährt in das Radmekka Italien. Einige wenige in der Welt stellen sich der Herrausforderung des RAM - Race Across America. Das ist ein Lauf über fast 500 Meilen quer durch die USA - vom Stillen Ozean bis zum Atlantik.

Eine Frau:

Ich glaube, keiner kann richtig verstehen, wie groß der Kontinent ist, wenn man nicht auf dem Fahrrad sitzt und 20, 25 km/h. Und wenn man durch die Mittelstaaten fährt, dann ist da nur Maisfeld an Maisfeld und der eine oder andere Silo, vielleicht noch ein Dorf. Das ist beeindruckend.

Reporterin: Catharina Bergen ist eine der weltbedeutendsten Ultraradler. Und die erste Schwedin, die den Race Across America absolviert hat. Sie ist im Alltag Medizinforscherin. Sie ist 46, aber hat eine Lungenkapazität wie eine 25jährige auf Eliteniveau.

Catharina Bergen:

Als ich das Radfahren entdeckte, da fühlte sich das so richtig an. Wenn ich auf dem Rad sitzte, dann bin ich nirgendwo anders - da bin ich nicht in der Dusche, das bin ich nicht zu Hause, sondern da bin ich am weltbesten Platz. Wenn man fühlt, nun ist das richtig, nun bin ich ich, da muss man seinen Sport gefunden haben. Und das habe ich mit Radfahren.

Reporterin:

Was denkst du gewöhnlich, wenn du auf dem Rad sitzt?

Catharina Bergen:

Ich glaube, ich lasse meine Gedanken wandern überallhin. Ich mag es auch, zu beobachten - ich schaue auf die alte Bauernschaft, auf die Höfe, die Tanten, die die Fenstern putzen und so. Aber die Gedanken können auch überallhingehen - von Kindheitserlebnissen bis hin, dass ich versuche, statistische Probleme zu lösen, die ich in meiner Forschung habe. Das ist das ganze Spektrum.

Catharina Bergen:

Wenn man anfängt, sich dem Ultraradeln zu widmen, da muss man dran denken, dass man lange Zeit mit sich allein ist. Auch wie man sich motiviern kann.

Reporterin:

Oh, meine Güte. Ich komme zum Versorgungspunkt. Den Punkt also, wo man pausiert und die Reserven nachfüllt. Hier kann man gut einkaufen und Fleischbällchen essen und äh ........ Wasser nachfüllen. Es fühlt sich an, als ob alle inneren Organe einfach streiken.

Reporterin: Auf der Vätternrunde ist der Abend Nacht geworden. Und ich komme zum zweiten Stopp. Hier haben Hunderte Radler ihr Fahrrad geparkt, um zu pausieren.

Reporterin:

Hallo! Ich schreibe ein Tagebuch.

Ein Mann:

Aha!

Reporterin:

Wer bist du?

Ein Mann:

Christian. Christian Rochens.

Reporterin:

Ist es hier für dich das erst Mal, oder hast du ...?

Christian Rochens:

Nee, dritte Mal. Das erste Mal war ... äh ... das fühlt sich gut an. He he he.

Reporterin:

Wie kommt das denn?

Christian Rochens:

Wenn man einen Klassiker [Bezeichnung für das Absolvieren von einem Lauf, Skilauf, Schwimmen und der Vätternrunde innerhalb eines Jahres] macht, so beginnt man mit dem Vasalauf [ein 90 km langer Skilauf]. Also ich hab den ganzen Winter trainiert. Und dann hab ich das Fahrrad zeitig genommen und habe 200 Meilen geradelt und ja ... . Das fühlt sich an wie eine Barriere, die verschwindet. Dann solltest du soviel wie möglich fahren. Du weißt, dass du müde wirst, aber du machst weiter. Voher warst du total fertig nach 10 Meilen und wolltest einfach nur das Fahrrad wegschmeißen. So in der Art.

Reporterin mit munterer Stimme:

An diesem Punkt bin ich ungfähr jetzt.

Christian Rochens:

Die ersten 5 Meilen blies der Wind von vorne die ganze Zeit. So, das war scheiß zäh. Jetzt ... ich glaube, jetzt wird es besser.

Reporterin:

Aber gibt es irgendetwas, wovor du Angst hast, was passieren könnte?

Christian Rochens:

Ich habe die Siljarunde vor 2 Wochen gefahren. Viele Unglücke. Respekt hat man, insbesondere in der Nacht. Ich weiß, dass ich stürzen werde irgendwann. Nun bekomme ich einen Krampf.

Reporterin:

Du hast einen Krampf bekommen?

Christian Rochens:

So ist das. Das ist mit einbegriffen. He he he.

Reporterin:

Was passiert, wenn man stürzt?

Christian Rochens:

Ja also ... Erst glaubst du, dass du ein viel besserer Radler bist als du eigentlich bist. Du testest Grenzen. Du wollst besser werden. Und wenn du forcierst, merkst du: Oh scheiße, nun war es zu schnell. Ein kleiner Fehler und du liegst da und bist verketzt. Aber ich hoffe, dass das nich heute passiert. hehehe. Nun muss ich weiter.

Reporterin:

Viel Glück!

Christian Rochens:

Ja, dir auch!

Ein schnaufender Mann:

In der Ferne dunstige, keglige Berge. So schön. Ich finde, das ist perfektes Radeln.

Reporterin: In der äthiopischen Landschaft sitzt Petter Kjellgren auf seinem blauen Mountainbike und ist auf dem Weg nach oben auf den Berg. Vor einigen Stunden ließ er Badar hinter sich.

Petter Kjellgren:

Vorhin fuhren wir an Zwiebelpflanzen vorbei und hatten große Berge mit roten Zwiebeln. Die Lkws fahren die Kurven so gerade wie sie können. Sie werden lokal Kamikazelaster genannt.

Reporterin: In 7 Tagen werden Petter und 3 Freunde 100 Meilen geradelt sein - Badar zur Hauptstadt Addis Abeba über La Libella und Rift Valley in Äthiopien. Petter will ein Reisebüro für Abenteuerradeln starten. Und diese Reise ist ein Versuch, herrauszufinden, ob es möglich ist. Radfahrer in engen Lycrakleidern und Helmen sind ganz ungewöhnlich in Äthiopien. Und viele drehen sich um, wenn die Radler verbeifahren.

Petter Kjellgren:

Oft rufen sie "China, China" wenn wir vorbeiradeln. "Nein, nicht China. Wir sind aus Schweden." "Schweden?" schauen sie uns fragend an. Das scheinen sie nicht zu kennen. Aber da kann man sagen: "Zlatan Ibrahimowic". "Zlatan, ja, ja, ja. Zlatan." Da wissen sie genau wo wir herkommen.

Petter Kjellgren schnaufend:

Oh fein. Bis du in einen meditativen Trampelzustand gekommen?

Ein Anderer:

Ja, vorher etwas. Aber nun verliere ich ihn etwas. [Ein Auto fährt in hohem Tempo vorbei und hupt.]

Petter Kjellgren:

Das kommt und geht etwas. Man kommt rein ... und dann geschieht etwas.

Der Andere:

Das hängt etwas davon ab, wieviel drumherum geschieht.

Petter Kjellgren:

Das ist ein bisschen wie im Halbschlaf. Ein wenig über den Berg.

Der Andere:

Ich bereue.

Petter Kjellgren:

He he he he he. Nun fahren wir etwas. Es geht immer noch bergaufwärts.

Petter Kjellgren zur Reporterin:

Am ersten Tag haben wir Nefas Mewscha erreicht. Das sind ungefähr 17 Meilen.

Reporterin:

Wie fühlt sich das an?

Petter Kjellgren:

Das fühlt sich herrlich an. Das sind 170 herrliche km Radeln. Das ist das Beste was es gibt. Das ist einfach nur herrlich. Ein ganzer Tag auf dem Rad; man kommt wirklich weit; man sieht so viel; man kommt so nah an zahlreichen Geschehnissen und Eindrücken an der Strecke. Alle Sinne sind gleichsam da. Keine Autotüren oder Glas sind im Wege. Das ist gleichsam tief in der Natur. Und wenn man sich den Berg hinaufkämpft, setzt man das eigene Belohnungssystem in Gang. Genauso beim gemeinsamen Trainieren. Da bekommt man ein schönes Gefühl.

Reporterin:

Trefft ihr auch andere Radfahrer? Äthopier, die radeln?

Petter Kjellgren:

Absolut. Meistens Kinder.

Petter Kjellgren schnaufend:

he he he he. Kinder laufen nebenher. 1, 2, 3, 4, 5. [zu den Kindern:] My name is Peter. Sie laufen nebenher und sind sehr interessiert. 6 Kinder. [schnauf, schnauf, schnauf] How old are you?

Ein Kind:

My name is Asne Kai Taije. [?]

Petter Kjellgren:

Asne Kai Taije?

Das Kind:

Yes.

Petter Kjellgren:

How old are you?

Das Kind:

I´m grate 4.

Petter Kjellgren:

Grate 4? Er sagt, er sei in der 4. Klasse.

Petter Kjellgren:

Also jene, die radeln sind Leute, die es sich nicht leisten können, etwas mit Motor zu fahren. Oft sieht man auf dem Land Fahrräder. Hier radelt niemand zur Arbeit. Das macht man dagegen in den etwas kleineren Städten. Man bekommt direkt Kontakt, wenn man auf einen anderen Radfahrer trifft. Da trifft man einander direkt mit dem Blick und Gefühl. Das macht wirklich Spaß. So ist das oft, wenn man einige Kilometer radelt.

Musik

Catharina Bergen:

Als ich dieses Rennen fuhr, da benutzte ich gewisse Musik. Musik ist sehr gut.

Reporterin: Race Across America wird als das härteste Rennen der Welt in allen Kategorien bezeichnet. Catharina fuhr es in 11 Tagen 11 Stunden und 20 Minuten. Sie schlief 3, 4 Stunden pro Nacht. Und um sich zu motivieren nutzte sie Musik.

Catharina Bergen:

Am Morgen will ich Musik haben, die den Körper langsam weckt. Und dann später am Tag kann es schneller sein und Schlagzeug usw. Und las ich deprimiert war, da hatte ich besondere Musik und wenn ich fröhlich war, da hatte ich besondere Musik. Ich benutze Musik als eine Art Getriebe, um mich zu motivieren, wenn es hart wird und um das Tempo hoch zu halten. In diesem Rennen zwischen Stillen Ozean und Atlantik gibt es nichts, was die Uhr anhält.

Catharina Bergen:

Am Anfang ist man sehr wettkampforientiert. Ich hatte gehoft, einen neuen Rekord setzen zu können. Ich wusste, dass ich ausreichend starke Beine hatte und einen ausreichend starken Körper, um das zu schaffen. Dagegen wusste ich nicht, dass ich mit dem Schlafmangel so gut umgehen konnte.

Catharina Bergen:

Das geht doch nicht, die ganze Zeit an das Ziel zu denken. Da verpasst man das ganze Abenteur. Es ist wichtig, wenn man 11 Tage auf dem Rad sitzt, alles aufzunehmen. Ich hatte vor, das nur einmal im Leben zu machen. Da will ich doch einen schöne Erinnerung haben. Ich versuchte, im Augenblick zu sein und alles aufzunehmen, anstelle zu denken "welch ein Druck, ich muss vorwärts zum Atlantik." Ja da hätte ich das Ziel verpasst. Und das ist das Selben mit allen Rennen. Auch wenn man die Vätternrunde fährt. Wenn man die Vätternrunde nur fährt, um ins Ziel zu kommen, da hat man das ganze Rennen verpasst.

Catharina Bergen:

Dagegen was mich am meisten an diesem Rennen verwunderte war, dass alle gesagt hatte, wie hart es war; dass mindestens 50 % das Rennen nicht schaffen werden. Und alle erzählten diese Geschichten vom Halluzinieren. Aber es waren äußerst wenige, die sagten "Ich sollte ein unglaubliches Abenteuer haben."

Catharina Bergen:

Und als ich an das Ziel am Atlantik kam und auf das Podium ging, so fragten sie "How was it?". Da sagte ich: "It was fun." Das war ein lustiges Abenteuer. Gewiss, es war hart manchmal. Es war sehr hart in den Morgenstunden. Aber ich hatte Spaß die ganze Strecke. Das verwundert mich, das man so viel Spaß haben konnte.

Vätternrunde - Ein Fahrrad zischt vorbei.

Reporterin:

Ich muss so dringend pinkeln. Alles kommt mit einmal. Ich bin durstig. Ich bin müde.

Reporterin:Ich und mein Mitradler haben "Tschüs" zueinander gesagt. Ich schaffe nicht, das Tempo zu halten und setze meine Fahrt in einem etwas ruhigeren Tempo alleine fort. Vor mir erstreckt sich ein enormer Hügel. Und um den hochzufahren, setze ich mich auf den Grünstreifen, um Kraft zu sammeln.

Reporterin:

[knister, knister] Oh, ich nehme einen Energieriegel, um noch etwas weiter zu kommen. Nun versuche ich diesen Augenblick mit einem Foto zu verewigen.

Lied: Bicycle, bicycle, bicycle
I want to ride my bicycle
I want to ride ma bike
I want to ride where I like

Fahrradklingeln

Reporterin:Es sind ein paar Tage ins Land gegangen und Petter und die anderen Radfahrer haben einige Meilen zurückgelegt. Unterwegs sind sie Kindern begegnet, die Steine nach ihnen geworfen haben. Aber es scheint, dass Petter etwas eingefallen ist, um die Kinder zum Aufhören zu bewegen.

Petter Kjellgren:

[schnauf, schnauf] So einfach ist es am besten: "Hallo, hallo". Solange man mit ihnen redet, werfen sie keine Steine.

Petter Kjellgren:

Wir kommen hoch nach Slitje Bergen. Ich hatte gedacht, dass man von hier oben das Rift Valley sehen kann. Das ist das was heftig ist mit dieser Reise: wir radeln genau auf der Grenze zum Rift Valley, das eine Senke ist, die eine neue Meeresbucht schafft und Afrika teilt; Afrikas Horn trennt sich vom Rest des Kontinents.

Petter Kjellgren:

[schnauf, schnauf] Das ist nicht nur ein steiler Abgrund, sondern ein Übergang von richtig hohen Bergen zu etwas niedrigen Bergen.

Petter Kjellgren:

Und dann geht es rasch ganz hinauf auf äthiopische Hochplateau, das über 3000 m ist. Wir radelen jetzt südwärts paralell zum Meer. Man kann nicht richtig das Tal sehen, aber man weiß, dass man dort Luci gefunden hat und vielleicht war dort die Wiege der Menschheit.

Petter Kjellgren:

Oh jetzt bin ich ein wenig müde. [vollkommen erschöpft] Ich versuche irgendetwas positives herrauszuziehen. Nun wird es richtig unangenehm.

Musik

Catharina Bergen:

Ja wenn man ein so langes Rennen fährt, da muss man einsehen, dass die Kraft zu Ende geht. Aber dann entdeckt man, bei mir war das am sechsten Tag, dass man stärker wird. Und das ist eine erhebendes Gefühl. Dass wir Menschen mehr können, als wir glauben.

Menschenmassengemurmel

Reporterin:

Ich werde aufgeben.

Eine andere Frau:

Ja.

Reporterin:

Was macht man da?

Die Andere:

Da werde ich dir damit helfen.

Reporterin:

Ich bin über 8 Meilen gefahren. Nun gebe ich auf.

Die Andere:

Nun gibts du auf. hehehe

Reporterin:

Was sagt die Uhr?

Die Andere:

Es sind 8 Stunden genau. Nun legst du dein Rad auf den Lkw dort und bekommst ein Busticket bei mir.

Ein Mann:

Also du kannst nicht mehr weiter!?

Reporterin:

Nein.

Der Mann:

Und willst mit mir Bus fahren!?

Reporterin:

Ja, gerne.

Der Mann:

Das wäre nett.

Reporterin:

Wie viele geben auf?

Der Mann:

Keiner jetzt.

Reporterin: Die Stimmung im Bus zurück nach Motala ist gedrückt. Die meisten schlafen oder massieren einander die schmerzenden Achseln. Martin Andersson ist einer von denen, die aufgeben mussten, nachdem sie Schmerzen im Knie bekommen haben.

Martin Andersson:

Klar fühlt sich das als Niederlage an. Das ist immer so. Aber, Herrgottnochmal, das Leben geht auf jeden Fall weiter. Ich werde jetzt heimfahren und dann werden wir zu meines Mädels Cousine fahren und uns dort in den Whirlpool setzen.

Martin Andersson:

Das Ding ist, es sich für sich selbst zu beweisen. Das handelt sehr, sehr vile um Routine. Auf den Körper zu hören.

Reporterin:

Das haben wir jetzt getan.

Martin Andersson:

Genau. Und unsere Körper kommen nicht mehr weiter als 14 Meilen. Aber doch 14 Meilen, begreifst du, wie lang das ist?!

Reporterin:

Wirst du etwas positives daraus ziehen.

Martin Andersson:

So wie sich das jetzt anfühlt, überhaupt nicht. Aber wir werden in ein paar Tagen sehen.

Reporterin: Zurück in Motala ist es 2 Uhr. Viele von denen, die gestern abend gestartet sind, sind jetzt im Ziel. Sara Johannson startete mit mir und ist mehr als 20 Stunden geradelt.

Sara Johannson:

Ganz toll. Wenn man bedenkt, wie windig wir das hatten und dass ich Schmerzen im Knie hatte, so bin ich sehr froh, dass ich es ins Ziel geschafft habe.

Reporterin: Sie sieht erleichtert aus, als sie ihre Medaille bekommt. Und ich fühle mich selbst etwas enttäuscht, dass ich es nicht rum geschafft habe. Ich hätte vielleicht etwas mehr kämpfen sollen.

Teil 1: Geschichte des Radfahrens in Schweden

Teil 2: Konflikte

Teil 3: Radfahren um des Radfahrens Willen

Teil 4: Fahrrad und Nutzen - Über die Rolle des Fahrrades in der Zukunft

Hier der Link zur Originalsendung sowie einige Bilder.

Und hier der zu Radreisen Brandenburg.

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