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Soll ich mir ein leichteres Fahrrad kaufen?

Leichte Fahrräder sind richtig teuer. Manchmal wird gesagt, dass jedes Gramm Gewichtersparniss 1 € kostet. Das mag zutreffend sein, wenn man das letzte Gramm opimieren will und sich z.B. leichtere Bramsgriffe kauft. Wenn man in diese Bereiche nicht vordringt, dann ist Gewichtersparniss bedeutend preiswerter zu bekommen, allen voran durch leichtere Reifen. Dieses sind alles Optimierungsmaßnahmen für ein bereits bestehendes Fahrrad. Beim Neukauf stellt sich grundsätzlich die Frage: leicht oder schwer, teurer Carbonrahmen oder preiswerterer Stahlrahmen. Der Preisunterschied ist immens und sicher nicht nur ich werde mir die Frage gestellt haben: Was bringt mir ein leichteres, aber viel teureres Fahrrad?

Stellt man diese Frage einem Händler oder einem Hersteller, so wird dieser antworten, dass ich mit einem leichteren Rad viel schneller sein werde. Und da hat er zumindest teilweise Recht; ich werde mit einem leichteren Rad schneller sein, aber viel???

Um mir diese Frage zu beantworten, habe ich folgenden Test gemacht.

Die Methode

Ich wählte eine Strecke von ca. 10 km und 40 Höhenmetern und einer maximalen Steigung von 2 %. Diese absolvierte ich in einer Serie von 10 Wiederholungen mit einem 5-kg-Gewicht in einer Kiste und 10 Wiederholungen ohne Gewicht in der Kiste, jeweils jede Variante 1 Mal oder 2 Mal abwechselnd, unmittelbar aufeinanderfolgend. Die Wiederholungen waren verteilt über mehrere Tage. Begann ich an einem Tag mit der Variante mit Gewicht, so begann ich am nächsten Testag mit der Variante ohne Gewicht.

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Konkret ergaben sich beispielsweise folgende Konstelationen:
Tag 1: mit Gewicht - ohne Gewicht
Tag 2: ohne Gewicht - mit Gewicht - ohne Gewicht - mit Gewicht
usw.

Da anzunehmen ist, das es einige Parameter, die sich von Versuch zu Versuch ändern, gibt und ich ohne Leistungsmesser nicht mal sicher sein konnte, immer die selbe Leistung zu fahren, musste ich eine größere Anzahl an Wiederholungen machen, in der Annahme, dass die sich ändernden Parameter gleichmäßig über die Varianten verteilen, also dass beispielweise mal die Variante mit Gewicht etwas mehr Gegenwind hat, dann mal die ohne Gewicht.

Um sicherzugehen, dass ich mich auf meine Messergebnisse verlassen kann, machte ich eine zweite Testreihe von 11 Wiederholungen, nach dem selben Prinzip.

Ergebnisse

1. Testreihe mit Gewicht: insgesamt knapp 100 km und 400 hm in 12078 Sekunden (3,355 Stunden), durchschnittliche Geschwindigkeit 29,18 km/h, Durchschnitt der Maximalgeschwindigkeit 38 km/h

1. Testreihe ohne Gewicht: dieselbe Strecke in 12003 s, durchschnittliche Geschwindigkeit 29,35 km/h, maximale Geschwindigkeit 38,5 km/h

2. Testreihe mit Gewicht: 13286 s (3,69 h) (11 Wiederholungen!), Durchschnittsgeschwindigkeit 29,17 km/h, Maximalgeschwindigkeit 40,41

2. Testreihe ohne Gewicht: 13224 s, Durchschnittsgeschwindigkeit 29,3 km/h, Maximalgeschwindigkeit 40,18.

In der ersten Testreihe also ein Unterschied von 75 s auf ca. 100 km oder 170 m weniger in der Stunde oder ca. 22 s in der Stunde.

In der zweiten Testreihe ist der Unterschied sogar noch etwas geringer: 62 s auf ca. 108 km, 17 s Verlust in der Stunde oder 130 m weniger pro Stunde.

Fazit

Ich kenne nur 2 Bedingungen, bei denen ein leichtes Rad wichtig ist:

1. Man will Rennen gewinnen, dann sind 130 m in der Stunde und 17 s deutlich wahrnehmbar.

2. Man will sein Rad tragen.

Für alle anderen Einsatzgebiete sollte das Gewicht nicht die oberste Priorität haben. Es gibt auch wichtige Dinge, die ein Rad erfüllen sollte. Z.B. ist auf einer Radreise Robustheit und die Möglichkeit, viel Last auszuhalten wichtiger.

Dieser Test wurde inspiriert von dem eines britischen Mediziners, der sich für 50 Pfund ein gebrauchtes Rennrad mit Stahlrahmen kaufte und später für über 1000 Pfund ein neues Carbonrad, das 4 kg weniger wog. Er fuhr lieber mit dem gebrauchten Rennrad. Er machte einen Test, bei dem er per Münze entschied, welches Rad er an diesem Tag nimmt, um zur Arbeit zu pendeln und maß dabei die Fahrzeit. Es kam heraus, dass er um ein paar Sekunden schneller war (auf ca. 30 Wiederholungen), und zwar mit dem 50-Pfund-Stahlrad. Den gesamten Test gibt es hier.

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